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Katarakt

Einander begleiten. Die Hand halten, da sein. Vielleicht auch stützen.
Wie wichtig ist das?

Wir sind mehrere Frauen hier in meinem Dorf, die gänzlich alleine leben. Das geht gut, wenn man gesund ist. Wenn man krank ist, geht es auch gut aber da muss man die ganze Angst, Sorge, die weiten Wege hin und her zur Klinik alleine durch machen. Das ist viel. Manchmal zu viel. Aber wie lange hat es gedauert, bis eine von uns die andere um Hilfe bat, um ein Dabei sein beim operativen Eingriff. Wieso haben wir das noch nie erbeten, früher, wenn sehr unangenehme Untersuchungen mit ungewissem Resultat an standen? Ich bin diesmal mit Francoise gegangen. Es stand nach einem Jahr die Entfernung des Kataraktes ihres zweiten Auges an. Letztes Jahr hatte sie die Narkose extrem schlecht verkraftet, nicht den Eingriff selber, der war problemlos verlaufen. Nein, sie litt schwer unter den Folgen der Narkosemittel und all dem, was man glaubt Unbewussten zumuten zu dürfen. Gestern Morgen fuhren wir los, zur Operation. Alle zehn Minuten hielten wir, damit sie vor örtliche Narkoseflüssigkeit direkt in ihr Auge tröpfeln konnte. Diesmal würde es keine Spritze zum vollkommenen Wegdämmern geben, keine trümmelig machenden Beruhigungspillchen, die die Angst vorm Wegdämmern hemmten. Offenen Auges, im wahrsten Sinne des Wortes, würde sie den Eingriff erleben. Ich hab auf sie gewartet. Saß mit nach der Operation und vor der Operation Seienden beisammen. Sie erlaubten mir ausnahmslos wohlwollend ein Portrait von ihrem lädierten Aussehen, ihrem Warten auf das lädierte Aussehen. Dann rollten sie Francoise zurück. Sie hatte alles gut überstanden. Erleichterung bei uns beiden. Nach einem Krankenhauscafé und einer Madeleine dazu zur Stärkung der Patienten bin ich mit ihr in ein von ihrem Pariser Freund für uns bestelltes Hotelchen gefahren. Victoria hieß es. Nach Victoria war uns. Der Nachmittag mit gemeinsamen Ruhen, der Abend mit einem sehr sympathischen Abendessen im Restaurant Domino bei Fois Gras und Vin De Roseline Rouge, einer erholsamen Nacht und schließlich heute morgen in der Frühe die Nachuntersuchung bei der Chirurgin. Alles ist gut. Wirklich alles. Wir versprachen uns, nie wieder solche Unternehmungen unbegleitet zu tätigen. Denn schließlich.. Katarakt

Einander begleiten. Die Hand halten, da sein. Vielleicht auch stützen.