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Meine Lady M9

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Für die schwarze M9 und das Summilux 35mm 1.4 asph. Objektiv habe ich einen Kredit aufgenommen. Die Investition ging in Richtung endlich eine ‚Lebenskamera‘ zu haben, eine, die mich Jahrzehnte begleiten und deren Handhabung mir in Fleisch und Blut übergehen wird. Ich wollte raus aus dem beengenden Verhältnissen das Motiv von den Begrenzungen des Objektives definieren zu lassen und hin zur Sucherkamera. Dorthin, wo ein Rahmen mir anzeigt was Sache ist, den ich verstellen kann um unter Umständen einen Wechsel der Linse vorzunehmen und, enorm wichtig für mein Photoauge, der drumherum für das, was auch noch da ist Platz läßt. Ich sehe also, wann etwas in mein Bild reinkommt, wie sich mein Bildauschnitt zur Komposition verhält. Ich habe bei dem finanziellen Aufwand auch an die Schnelligkeit gedacht, mit der andere Cam Hersteller jährlich, halbjährlich ihre bestehenden Modelle überholen und gegebenenfalls die alten Objektive daran nicht mehr zu nutzen sind und wie das, will man ab und an wieder was schickes, modernes, nochbesser als Besseres habe, dann letztendlich auch schon ziemlich sehr ins Geld geht. An der M9 sind mit wenigen Ausnahmen alle alten M Objektive verwendbar. Ich liebe mein absolut kostengünstiges 90mm Elmarit aus dem Jahre 1959, nicht nur weil wir gleichalt sind und Qualität eben Qualität bleibt..;-)

So, und da ist sie nun seit vier Monaten mein. Es geht wunderbar schnell sich mit ihrer Handhabung anzufreunden, ganz instinktiv ist die Bedienung angelegt: Im Sucher leiten mich die beiden roten Pfeile hin zur richtigen Belichtung des angemessenen Objektes, der rot aufleuchtende Punkt in ihrer Mitte sagt mir, wann ich nach ihrer Meinung dort angekommen bin. An einem Rad neben dem Aulöser drehe ich mir die Verschlußzeiten hin und mit einer direkten Auswahl am Kamerarücken bestimme ich den Isowert, das Maximum liegt bei 2500 Iso was ich bei dem lichtstarken 35mm lux in einem Tunnel unter Tage zum Portraitieren eines Kohlehaufens benötigen würde, würde ich es denn wollen. Das alles ist easy und wunderbar logisch drum leicht zu erlernen.

Ich nenne die M9, Meisterin, weil ich in den ersten Wochen mit ihr eine ziemliche Schaffenskrise hatte. Ich war ihrem Können, wenn ich das mal so platt sagen darf, und dem, was sie inhaltlich vorraussetzt, damit man sich ihres Könnens bedienen kann, innerlich nicht gewachsen. Da geht kein schnell mal Ranzoomen und aus der Hüfte oder über Kopf Halten und knipsen. Das Einfachmalsophotographieren und dann schau ma mal später was dabei rumkommt fällt flach, das geht einfach nicht mehr. Noch schlimmer: Ich muss vorher wissen, zumindest darüber nachgedacht haben, ein Bewußtsein entwickelt haben, wann und warum ich überhaupt photographiere. Was ich von einem Bild will und was es erzählen soll um überhaupt erst zu einem Bild zu werden. Wie bin ich sonst im Stande, im Moment selbst genau zu entscheiden auf was ich den Fokus lege, was ich gegebenfalls bei offener Blende in Unschärfe setze, welche Szene, welches Licht braucht und warum das alles und das dann ziemlich zügig, denn ich photographiere Menschen im Alltag, was man gemeinhin unter Streets bezeichnet. Mit der M9 fällt das Jagen weg, die Anspannung ja nicht den richtigen Moment zu verpassen. Ich habe eine völlig andere Haltung zum Augenblick des Bildmachens entwickelt. Es ist der Moment nach der Anspannung im Geschehen, der des Ausatmens, wenn scheinbar die Sensation vorbei ist. Und was für eine wunderbare Entdeckung als ich merkte, dass es hier erst losgeht..

Die M9 hat die unauffällige Eleganz ihrer großen analogen Vorfahren. Es ist leicht in Situationen zu photographieren, wo eine DSLR irritieren könnte. Manchmal sehe ich in den Augen der Leute sowas wie, ‚ach die arme Frau, muss noch mit so’ner altmodischen Kamera knipsen‘, so unauffällig ist sie und schlicht. Ich genieße diese Kamera, nehme sie immer und überall hin mit, und nenne sie voller Liebe&Hochachtung ‚Lady M9‘, weil es da noch eine ‚Dame M6‘ gibt, aber wenn ich jetzt noch von ihr anfinge..

http://www.fotogemeinschaft.de/v/fotografen/Yvonne-Steiger/